UschisBlog


Es begab sich an einem lauen Frühlingsabend,….
Februar 8, 2008, 3:09
Gespeichert unter: Gabi

Alle Personen und Orte in dieser Geschichte sind frei erfunden. Aehnlichkeiten zu
lebenden Personen sind rein zufaellig und nicht gewollt.

Papst Johannes Paul II. lag im Sterben. Wie auch viele Millionen Menschen weltweit, machte sich Gabi, intensive Gedanken über die Zukunft der abendländischen Kultur und deren Katholizismus.

Eigentlich ganz normal, sollte man meinen. Der einzige – aber alles entscheidende – Unterschied war, dass Gabi den christlichen Ritusgetränken keinesfalls abgeneigt gegenüber stand und sich dies bis zum heutigen Tage nicht geändert hat.

So geschah es gegen 23 Uhr, dass Gabi meinte, es müsse dem Papst geholfen werden. Wer käme dafür besser infrage als sie selbst? Dazu muss betont werden, dass Gabi zum damaligen Zeitpunkt noch den Beruf der Arzthelferin ausübte.

Sie philosophierte, sinnierte und konzipierte… Drei Stunden und vier Flaschen Wein später – gegen 02:30 Uhr – begegnete Gabi auf ihrem Badezimmerboden liegend dem Erzengel Gabriel. Er sagte ihr, sie solle endlich ihrer wahren Berufung nachgehen: den Papst retten und allen Menschen in ihrer Umgebung Liebe, Frieden und ewiges Glück bringen.

Nachdem sie sich von ihrer Begegnung erholt und den Sturz medikamentös mit einer Flasche Melissengeist behandelt hatte, beschloss sie, ihre empfangene Botschaft sogleich in die Tat umzusetzen. In ihrem königsblauen Nachtgewand aus Frottiergewebe (es handelt sich hierbei um einen normalen Bademantel) verließ sie ihre Wohnung durch die Feuerschutztür. Leider vergaß sie die Lage ihrer Wohnung im dritten Stock und begann den Abstieg schneller als gedacht. Als sie nach dem sechsten Überschlag endlich die Ausgangstür erreichte und sich – so gut sie konnte – vergewissert hatte, dass sie keine allzu schweren Verletzungen davongetragen hatte, machte sie sich erhobenen Hauptes auf den Weg. Sie verließ ihren Hinterhof, verabschiedete sich noch einmal innig von der männlichen Stahlskulptur an der Hofeinfahrt und torkelte Richtung Innenstadt.
Die Reise…
Mit dem Ziel vor Augen, den zweiten Teil ihres Auftrages auszuführen, suchte sie sich ihr erster Opfer. Es war eine Gruppe Jugendlicher, die ihren Discobesuch vorzeitig beendet hatten. Gabi riss die Arme in die Höhe und rief mit sich überschlagender Stimme: „Iiiich briiinge ooiich Friiieeedeeen!“ Völlig verdutzt sprangen einige der Jugendlichen vor ihre Freundinnen und rissen sie zur Seite; man wusste ja nicht, wozu diese seltsame Erscheinung noch in der Lage war. Doch bei näherem Hinsehen brachen alle in schallendes Gelächter aus. Gabi deutete dieses als Zeichen dafür, dass sie ihre Botschaft überzeugend vermitteln konnte und zog glücklich weiter. Die Gruppe blickte ihr noch einige Zeit hinterher und beobachtete lachend ihren wankenden Gang, …

Ihre nächste Station war der Kiosk; sooo viel Bekehrung macht Durst! Außerdem könnte man sicherlich auch den Besitzer noch mit etwas Glück und Frieden überhäufen, dachte sie sich. Da der Friedensbote mittlerweile jegliches Zeitgefühl verloren hatte, war ihr nicht mehr bewusst, dass ihr Stammkiosk täglich um 23 Uhr den Verkauf einstellte. Wütend hämmerte sie mit ihren rheumageplagten Fäusten gegen die verglaste Eingangstür. Etwas zu doll, wie sich im Nachhinein rausstellte. Das Glas zerbrach, … Doch nach den Ereignissen des heutigen Abends deutete sie auch dieses als ein Omen der göttlichen Fügung, denn Gott könnte ja wohl kaum erwarten, dass sie ihre Mission durstig weiterführt…

So stieg sie also ein in das Geschäft ihres Vertrauens und schwankte „zielstrebig“ auf das ihr bestens bekannte Spirituosenregal zu. Innerhalb kürzester Zeit schaffte sie es, ihren Durst zu stillen, indem sie ein Tetra-Pack Rotwein und – Ordnung muss sein – zum Nachspülen zwei Kurze trank.

Doch ihr kleiner Fauxpas blieb nicht unbeobachtet, … ein gesetzestreuer Bürger aus dem Nachbarhaus erkannte nicht die göttliche Mission, in der Gabi unterwegs war und rief die Polizei.
Die Kehrtwende, …
Der letzte Flachmann wanderte in die Tasche ihres Bademantels… Gabi kletterte mühsam durch die kaputte Tür ins Freie und schaute sich dabei nach neuen Opfern um. Und tatsächlich, aus einem blau-silbernen Auto mit lustig blinkenden Lichtern sah die Prophetin zwei stattliche Männer herausspringen. „Jaaa, kooommt nur zu mir, … , dachte sie laut und riss ihre Arme unkoordiniert in die Höhe und landete ungeschickt mit dem bebrillten Gesicht voraus auf den Pflastersteinen. „Polizei!“, rief einer der beiden Polizisten und richtete – ja, tatsächlich – eine Waffe auf sie. Gabi stützte sich mühsam auf ihre Arme und richtete ihren glasigen Blick mit schmerzverzerrtem Gesicht auf die Polizisten. „Iiich bringe ooiiich Glüüück!“, lallte sie benommen und ließ den Kopf wieder nach vorne fallen. Doch auch die Polizisten verkannten ihre göttliche Mission und nahmen sie mit in das örtliche Kommissariat…

Kreuzverhör. Im Licht der hellen Lampe sah man, wie sich um ihr rechtes Auge eine Schwellung bildete und rasch ausdehnte. „Was haben sie sich dabei gedacht?!“, fragte ein Mann, den unserer Gabi beim besten Willen nicht kannte; bemerkte aber, dass dieser dieselben Sachen wie die beiden anderen Männer trug. „Scheeeint wohl zur Zait moodärn su sein..“, flüsterte sie lallend und brach dabei in Gelächter aus. Sie hörte, wie der Polizist zu einem anderen sagte: „Bringt sie weg, das hat keinen Sinn.“ Ein anderer fragte sich lachend, wärend er Gabi in die Ausnüchterungszelle führte, wie man mit 8,6 Promille noch in der Lage sein kann, einen Kiosk zu überfallen.

Morgens, halb sieben, in Deutschland, …
Gabi erwachte mit einem fürchterlichen Kater. Nachdem sie die Räumlichkeiten eingehend betrachtet hatte, stellte sie fest, dass sie keine Ahnung hatte, wo sie sich befand. Mit zitterigen Händen griff sie in die Tasche ihres Badesmantels und fand dort einen Flachmann vor. „Naja,“, sagte sie, „wenigstens etwas…“ und spülte ihre Kopfschmerzen sowie den Versuch ihres Körpers, den Alkohol abzubauen, mit einem Schluck Strohrum runter. Bald darauf erinnerte sie sich wieder an die Begebenheiten des gestrigen Abends. In dem Moment, als ein Polizist die Zellentür öffnet, um sich nach dem Befinden zu erkundigen, setzte sie ihren Missions-Weg fort und wankte dem Polizisten mit erhobenen Armen und den Worten „Iiiich bringe diir Liiieeebeeee…“ geradewegs in die Arme. Dieser trat erschrocken einen Schritt zurück, so dass sie auf ihren Knien vor ihm landete. Sein Schritt in Höhe ihrer Augen. Sie murmelte etwas unverständliches mit einem lüsternen Grinsen und zog sich mühsam am Türrahmen hoch. Der Blick des Polizisten streifte durch die Zelle und blieb an der geleerten Flasche hängen…

Nachdem unsere Prophetin von dem sichtlich verwunderten Beamten zur täglichen Pflege in ein Badezimmer geführt wurde (was sie übrigens strickt ablehnte „Waaasser schadet meinem Teint!“) bekam sie – wieder zurück in ihrer Zelle – Besuch von dem Polizisten, der sie auch schon in der Nacht zu vernehmen versucht hat.
„Guten Morgen Frau Sp***, na wieder nüchtern?“
Gabi schaute den Beamten mit großen glasigen Augen an und sagte: „Was erlauben sie sich? Natürlich biiin iiiiiich nüüüüchtern…. ich triiinke fast niee! Aaaaber weer siind siie uuund waas maachen siiie überhaupt in mainer Praxiiis?“
Der Polizist trat entsetzt einen Schritt zurück. Ihre Augen – wenn auch glasig – zeigten ein wütend aufflammendes Feuer. Nach ein paar Sekunden hatte sich der Mann jedoch wieder im Griff
„Sie befinden sich nicht irgendeiner Praxis, Frau Sp***! Dies ist die Ausnüchterungszelle des Polzeikommissariats!“
„Reeden siie niiicht sooo ainen Miiist!“, fiel sie ihm augenblicklich ins Wort, „daaas iiist maine Praaaxiiiiiis, iiiich biin Fachärztin füür Pooooo- pooo- Pooontifexkrankheiten und der Paaeaeaepst iist baald daaa… Verlassen siiie sofoooort main Behaaandlungszimmer!“
Der Polizist verließ erschrocken die Zelle und eilte zum Telefon. Am anderen Ende der Leitung meldete sich der städtische Amtsarzt. „Ist gut, ich bin gleich da, … „

Das bittere Ende, …

„Hiiilfeeee… so glaauuben sie mir doooch…ich biiin nicht bekloopppt und ich biiiin keine Alkoholikerin!!! Der Engel hat zu mir gesproochen… neeeein, niiicht festhaalten! Waas erlauben sie siiich? …

Neeeeeeeeeeiiiiiiiiiiiiiiiiin, biiiitteeeee keine Spriiiitzeee!! … ich muss doch… Liebe… Frieden…. Glüüück… Hiiiilfeeeee…. Meine Mihiisiooon… Poontifexo…Poonti… Paeaeaepst… ich braauche Melissengeiei…Melisse… Melliii…TzzztzzzZzzzzzzzzZzzzzzzzz…“ Und sie schlief ein.